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Der Telegraf — Die erste Fernnachricht von Washington nach Baltimore

Am 24. Mai 1844 überträgt Samuel Morse die Worte „What hath God wrought“ über 61 km Kupferdraht zwischen dem Kapitol in Washington und dem Bahnhof in Baltimore — die erste Telegrafen-Fernnachricht, ermöglicht durch eine Bewilligung des Kongresses über 30.000 US-Dollar.

Source: history.house.gov

Der Telegraf — Die erste Fernnachricht von Washington nach Baltimore

Entdeckung

ParameterWert
Datum24. Mai 1844
SenderSamuel Morse, Sitzungssaal des Supreme Court, Kapitol (Washington D.C.)
EmpfängerAlfred Vail, Mount Clare Station (Baltimore, Maryland)
Distanz61 km (38 Meilen)
Nachricht„What hath God wrought“ (4. Mose 23:23, Bibel)
Finanzierung30.000 US-Dollar, vom Kongress bewilligt (3. März 1843)
Medium#16-Kupferdraht (1,3 mm Durchmesser) auf Holzpfählen

Technische Erklärung

1. Leitungsinfrastruktur — Die Washington-Baltimore-Leitung folgte der Strecke der Baltimore & Ohio Railroad. Morse versuchte zunächst, das Kabel unter Ezra Cornells Leitung in Bleirohren zu vergraben, doch die Isolierung aus geteertem Baumwollmaterial verschlechterte sich rasch. Danach wurde der Draht oberirdisch an 7 m hohen Kastanienpfählen aufgehängt, mit einem Abstand von 300 Fuß (~90 m) — ein Standard, der ein Jahrhundert Bestand hatte.

2. Stromversorgung und Signal — Der Stromkreis verwendete Grove-Batterien (Zink/Salpetersäure, 1,9 V/Zelle). Etwa 100 in Reihe geschaltete Zellen lieferten ~190 V, um die ohmschen Verluste über 61 km auszugleichen. Der Strom im Draht betrug etwa 15 mA — genug, um den Empfangselektromagneten zu betätigen.

3. Automatische Aufzeichnung — Vails Empfänger verwendete einen mechanischen Stift, der auf eine durch ein Uhrwerk bewegte Papierbahn gedrückt wurde. Punkte und Striche wurden physisch geprägt und erzeugten so eine dauerhafte, überprüfbare Aufzeichnung der Nachricht.

4. Zweidraht-Stromkreis — Die Leitung von 1844 wurde mit zwei #16-Kupferdrähten als vollständiger Hin- und Rückleiter aufgebaut. Die Erdrückleitung — eine vergrabene Kupferplatte an jedem Ende, die den Stromkreis über die Leitfähigkeit des Bodens schließt und die Drahtkosten halbiert — wurde erst später eingeführt.

Warum es funktionierte

Die Entfernung von 61 km war nicht willkürlich: Sie entsprach bei der verfügbaren Spannung ungefähr der maximal praktikablen Reichweite ohne Zwischenrelais. Morse hatte empirisch ermittelt, dass jenseits von 80 km die ohmsche Dämpfung das Signal unkenntlich machte. Die oberirdische Installation, die nach dem Scheitern des Erdkabels gewählt wurde, erwies sich als entscheidend: Luft isoliert wesentlich besser als feuchter Boden.

Die biblische Nachricht „What hath God wrought“ wurde von Annie Ellsworth, der Tochter des Patentbeauftragten, ausgewählt. Dieses Detail war nicht nebensächlich: Die mediale Berichterstattung verschaffte dem Telegrafen sofort nationale Aufmerksamkeit.

Kausalkette

Morse-Patent (1837) → Demonstrationen vor dem Kongress (1838, 1842) → Bewilligung von 30.000 US-Dollar (März 1843) → Scheitern des Erdkabels → Oberirdische Leitung Washington–Baltimore (Mai 1844) → Kommerzielle Expansion (1845: erste Gesellschaft, Magnetic Telegraph Co.) → Nationales Netz (1850er, 37.000 km in den USA) → Western Union vereinheitlicht das Netz (1856) → Transatlantikkabel (1866)

Anekdote

Der Kongress hätte das Projekt beinahe nicht finanziert. Die Abstimmung am 23. Februar 1843 endete mit 89 Stimmen dafür, 80 dagegen und 70 Enthaltungen. Einige Abgeordnete schlugen vor, die 30.000 US-Dollar lieber für Mesmerismus (therapeutische Hypnose) als für den Telegrafen auszugeben, da sie beide Vorhaben für gleichermaßen spekulativ hielten.

Quellen

Im Rahmen des Faktenchecks vom August 2026 verifizierte Referenzen: Anhand dieser Seiten wurden die Aussagen dieses Bulletins geprüft.

  1. Baltimore–Washington telegraph line — Bau, Drähte und Masten
  2. Abstimmung im Repräsentantenhaus zur Finanzierung (89–80) — History, Art & Archives, U.S. House of Representatives
  3. Übertragungsrekord von 1,84 Pbit/s (DTU + Chalmers, 2022) — Chalmers University