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Der elektrische Telegraf — Das erste Netzwerk für Sofortkommunikation

1837 reicht Samuel Morse einen Patentvorbehalt ein (US-Patent Nr. 1.647 wird erst am 20. Juni 1840 erteilt) für einen einadrigen elektrischen Telegrafen, der etwa 10 Wörter pro Minute mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit des Stroms (~200.000 km/s in einem Kupferleiter) übertragen kann — zum ersten Mal ist Information schneller als ein menschlicher Bote.

Source: loc.gov

Der elektrische Telegraf — Das erste Netzwerk für Sofortkommunikation

Entdeckung

ParameterWert
Patentdatum28. September 1837 (Patentvorbehalt eingereicht)
ErfinderSamuel Finley Breese Morse (1791–1872)
Wichtiger MitarbeiterAlfred Vail (Mechaniker, Mitentwickler des Codes)
Physikalisches PrinzipElektromagnet, angesteuert durch Gleichstromimpulse
KomponentenSendetaste, Batterie, Kupferdraht, Elektromagnet, Aufzeichnungsstift
Übertragungsrate~10 Wörter/min (geübter Bediener)
Erste öffentliche Demonstration6. Januar 1838, Speedwell Ironworks, Morristown (New Jersey)

Technische Erklärung

1. Binäre Codierung — Der Morsecode codiert jeden Buchstaben mit Folgen aus zwei Symbolen: Punkt (kurzer Impuls, ~60 ms) und Strich (langer Impuls, ~180 ms). „E“ (·) ist der kürzeste, „J“ (·———) einer der längsten Codes. Morse und Vail ordneten den häufigsten englischen Buchstaben die kürzesten Codes zu — ein Vorläufer der Huffman-Codierung.

2. Elektromagnetischer Stromkreis — Der sendende Bediener schließt durch Drücken der Taste einen Stromkreis. Batteriestrom (~3–6 V) fließt durch den Draht zum Empfänger, wo ein Elektromagnet einen Stift gegen einen bewegten Papierstreifen zieht. Die Dauer des Stromschlusses bestimmt Punkt oder Strich.

3. Verstärkung durch Relais — Jenseits von ~50 km schwächt der Widerstand des Drahts das Signal. Morse integriert das Telegrafenrelais: Ein schwacher Elektromagnet betätigt einen Schalter, der einen zweiten Stromkreis mit lokaler Batterie schließt. Dieses Prinzip der Signalregeneration ist der direkte Vorläufer des digitalen Repeaters.

Warum es funktionierte

Auch andere Erfinder arbeiteten am Telegrafen (Wheatstone und Cooke in England mit einem Fünfnadelsystem, Schilling in Russland). Morses System setzte sich durch seine Einfachheit durch: ein einziger Draht (statt fünf bei Wheatstone), ein einfacher, in wenigen Wochen erlernbarer Code und eine Papieraufzeichnung, die einen schriftlichen Nachweis der Nachricht lieferte.

Das Relais, das Joseph Henry vor Morse patentiert hatte, löste das Dämpfungsproblem, das frühere Versuche auf kurze Distanzen beschränkt hatte. Morses Verdienst bestand darin, diese Erfindung in ein vollständiges und kommerziell nutzbares System zu integrieren.

Kausalkette

Sturgeons Elektromagnet (1824) → Joseph Henry verbessert das elektromagnetische Relais (1831) → Morse integriert Relais + Code in ein praktisches System (1837) → Kongress finanziert die Washington-Baltimore-Leitung (1843) → Telegrafennetz deckt die USA ab (1850er) → Dauerhaftes Transatlantikkabel (1866) → Internationale Telegraphenunion, erste Governance-Organisation der Telekommunikation (1865)

Anekdote

Samuel Morse war ursprünglich ein anerkannter Maler und Kunstprofessor an der New York University. Die Idee für den Telegrafen kam ihm während einer Seereise 1832: Dr. Charles Thomas Jackson erzählte ihm von Faradays Experimenten zum Elektromagnetismus. Morse skizzierte seine ersten Schaltbilder in seinem Skizzenbuch — es wird noch heute in der Smithsonian Institution aufbewahrt.

Quellen

Im Rahmen des Faktenchecks vom August 2026 verifizierte Referenzen: Anhand dieser Seiten wurden die Aussagen dieses Bulletins geprüft.

  1. Samuel Morse Papers, Chronologie 1791–1839 (Patentvorbehalt von 1837) — Library of Congress
  2. This is our last cry before our eternal silence (letzte französische Morse-Sendung, 31. Januar 1997)
  3. Le Conquet radio — Station FFU, Ende der Morse-Sendungen